47. ADAC Roland-Rallye 22.04.2017

Sieg für Ramonat, Pech für Schuhej

Zwei Sprints über acht und vier km mit zahlreichen Belagwechseln sowie der legendäre Rundkurs durch den Stadtpark „Gehege“ ergeben 35 WP-Kilometer mit 47% Festbelag und 53% Schotter. Die 47. ADAC-Roland-Rallye rund um Nordhausen behält ihren typischen Mix, und das typische Aprilwetter mit Wolken, ein wenig Regen und kräftigen Sturmböen stellt die Helfer und die Zuschauer vor mehr Probleme als die Fahrer.

An der Spitze des Feldes machen drei Mitsubishi den Sieg unter sich aus. Jaakko Keskinen hat bei seinem Landsmann Ruokonen den Sieger-Evo 9 von Wittenberg angemietet. Zum Auftakt auf der „Apostelbrücke“-Prüfung mit zwei Dritteln Schotter setzt er die Bestzeit, doch ein kleiner Ausritt auf der neuen Prüfung von Schate nach Sundhausen und Kummer mit den Bremsen des Gruppe-N-Autos – nach sechs Jahren Gruppe H wohl gewöhnungsbedürftig – sind der Grund, dass dem viermaligen Roland-Sieger und seinem Co Jukka Pollari am Ende sechs Sekunden zum Sieg fehlen. Raphael Ramonat und Sara Phieler geben im Evo 7 kräftig Gas, setzen zwei Bestzeiten, fangen sich auf WP 5 einen Platten ein, aber im Ziel haben sie Grund zum Strahlen: Der „Ramonator“ kann den dritten Roland-Gesamtsieg feiern, die Copilotin ihren ersten überhaupt.

Jörg Schuhej und Steffen Reith sind mit Asphaltreifen auf ihrem Evo 9 unterwegs. Die Hessen bleiben auf den Schotterabschnitten an der Konkurrenz dran, auf dem Gehege-Rundkurs setzen sie zweimal klar die Bestzeit. In der Addition der Zeiten liegen sie neun Sekunden vor Ramonat. Doch sie haben Pech: Auf dem Weg zur WP 1 müssen sie die Zündkerzen wechseln und erreichen die Zeitkontrolle deshalb drei Minuten zu spät; die fälligen 30 Strafsekunden werfen Schuhej und Reith auf den dritten Rang zurück.
 
Die Wittenberg-Zweiten Marc Bach und Andre Seelisch kommen nach einem zeitraubenden Verbremser auf WP 2 nur auf Rang 5. Wie der Finne Petri Reinikainen im Evo 9 fallen auch die CTC-Allradler von Andreas Rink (Turboschaden am Impreza) und Robby Fechner (Kraftübertragung am Evo 6) aus, so dass Dirk Straße und Uwe Neumann mit dem Galant VR4 den Klassensieg erben. Björn Becker und Dirk Mürkens siegen im Audi 90 Quattro in der Klasse F3 für Allradler bis 3000 cm³ und warten sehnsüchtig auf den stärkeren Gruppe-F-Motor.

Die Schotter-Cup-Kategorie 2 für Hecktriebler sieht erneut Sebastian Vollak und Peter Messerschmitt an der Spitze. Mit nur 26 Sekunden Rückstand auf Ramonat springt ein toller vierter Gesamtrang heraus, Klassensieg und Schotter-Cup-Führung eingeschlossen. Allerdings haben Felix Weisert und Marcel Eichenauer, die ihr Debüt im BMW M3 geben, auf WP 1 knapp vor Vollak gelegen, doch schon in der nächsten Prüfung bleibt der M3 stehen. Nick Heilborn und Benjamin Melde, ebenfalls im BMW M3, liegen lange auf dem zweiten Rang bei den Hecktrieblern; dann macht die Hinterachse Probleme, so dass Heilborn den M3 mit Warnblinkanlage und großer Vorsicht über die letzten beiden Prüfungen chauffiert. So rettet er gerade noch den Klassensieg vor Hagen Fritsch im Volvo 240 - und vor allem die Führung im ADMV-Rallye-Pokal und in der Thüringer Meisterschaft.

In der Kategorie 1 für frontgetriebene Fahrzeuge sorgt ein Dreier-Pulk aus der 1600-cm³-Klasse für Furore. Dark Liebehenschel und Valentin Langner im Citroen Saxo, die Lokalmatadoren Hannes Heldt und Heiko Schmidt im VW Polo sowie Markus Drüge und Lisa Stengl im Suzuki Swift fahren in die Top Ten: Liebehenschel auf Platz 6, Heldt und Drüge auf die Plätze 8 und 9. Dazwischen kommen Thomas und Melanie Schultz auf Platz 7 ins Ziel; damit landet ihr Clio hinter Vollak auf dem zweiten Platz in der 2-Liter Klasse, in der Markus Creutzburg und Nina Uttenreuther im Golf III den dritten Platz belegen.

Einen überraschenden Aufwind mit neun Startern – also fast 20% - erlebt im Schotter-Cup die Gruppe G, für die kein KFP benötigt wird. Björn Leiß und Andre Seltmann sind im Allrad-Turbo-Mazda am schnellsten, doch gleich dahinter folgen Jeffrey Wiesner und Stefan Harloff im Volvo 940 mit 131 PS und 1350 Kilo Gewicht. Wiesner holt sich mit dem forschen Ritt den Klassensieg gegen fünf andere Autos der Klasse G11 (LG-Klasse 4), den zweiten Platz in der Kategorie 2, den Sieg in der Volvo-Original Wertung (vor Hagen Fritsch und Patrick Rodewald) und Platz 3 in der Zwischenwertung des Schotter-Cups hinter Vollak und Liebehenschel. Allerdings muss sich Wiesner strecken, denn Philip Schwarz prügelt seinen Colt, ebenfalls Klasse G11, sehr zügig über die Piste, wird Klassenzweiter und 13. in der Gesamtwertung.
Mit 53 Nennungen, 50 Teams bei der Abnahme, 48 am Start und 34 im Ziel ist Rallyeleiter Heinz Sievert vom Nordhäuser MSC relativ zufrieden. Vollauf zufrieden ist er mit dem reibungslosen und unfallfreien Ablauf und der minutenpünktlichen Siegerehrung.

29 Histo-Teams ergänzen das Feld. Auch wenn der Schotter auf dem ersten Kilometer der WP 2 grob ist, macht den meisten Histo-Piloten die abwechslungsreiche Strecke viel Spaß. Am exaktesten durchrollen die Holländer Joop Hosmar und Dave Kuiper im BMW 2002 TI die Lichtschranken, gefolgt von den Nordhessen Walter Lenz und Erhard Walenda im Porsche Carrera, dem Schwarzwälder Bernd Lutz und dem Harzer Richard Wehle im VW Golf sowie den Westfalen Franz Fölling und Jürgen Bursian im Mitsubishi Starion. Bemerkenswert ist das Alter der Fahrer: Hinter den holländischen Junioren mit nur 78 Jahren bringen die Verfolger 128, 125 und 139 Lebensjahre ins Rallyeauto!

Alfred Gorny


Ehrentafel

An dieser Stelle möchten wir die Gewinner der letzten Jahre würdigen.

Roland-Rallye